Dienstag, 22. Mai 2007

Palliativmedizin

Mit Hilfe der Palliativmedizin wird das Leben unheilbar Kranker gestaltet und auch ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht. Im Rahmen der 3. Veranstaltungsreihe des HMK berichtet Prof. Dr. Eberhard Klaschik über die sich ständig verbessernden Möglichkeiten der Palliativmedizin. Hier sein Ansatz:


"Die zunehmende Technisierung sowohl der Medizin als auch unserer gesamten Lebensrealität hat zu einer Vernachlässigung von Patienten geführt, die unheilbar erkrankt sind. Aus diesem Mangel heraus haben sich die moderne Hospizbewegung und Palliativmedizin entwickelt und, von Großbritannien ausgehend, weite Teile der Welt erreicht.

Die Palliativmedizin hat in Deutschland in den letzten Jahren eine erfreulich dynamische Entwicklung durchlaufen. Der Aufbau einer palliativmedizinischen Infrastruktur führte zu unterschiedlichen Organisationsformen (Palliativstation, Hospiz, palliativmedizinischer Konsiliardienst, ambulanter Palliativdienst). Zudem wurde mit Schaffung einer Zusatzbezeichnung Palliativmedizin und der Integration der Palliativmedizin in die Weiterbildungsordnung der Gebietsärzte die Grundlage für eine verbesserte Weiterbildungssituation gelegt. Kompetenz in Schmerztherapie und Symptomkontrolle sowie die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den ethischen Entscheidungen am Lebensende und die Bereitwilligkeit zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation kann den Patienten ein Sterben in Würde und Selbstbestimmung ermöglichen. Dadurch stellt die Palliativmedizin das Gegenkonzept zu Forderungen, die aktive Sterbehilfe in Deutschland zu legalisieren, dar."

Montag, 14. Mai 2007

Sterbebegleitung


Am 24. Mai stellte der Moraltheologe Prof. Dr. Josef Schuster SJ am 3. Abend der Veranstaltungsreihe des HMK die Notwendigkeit einer "Kultur der Endlichkeit des Lebens" dar. Seine Kurznotiz:




"Für eine Kultur der Endlichkeit des Lebens
Die öffentliche Auseinandersetzung um aktive bzw. passive Sterbehilfe und die verbindliche Reichweite von Patientenverfügungen zeigt deutlich, dass wir eine Kultur der Endlichkeit des Lebens benötigen. “Sterbehilfe” ist ein positives Wort: Es meint die Begleitung von Menschen in der letzten Phase ihres Lebens durch Schmerzlinderung, Pflege und menschliche Nähe einschließlich der Seelsorge.

Dabei sollte es eigentlich nicht strittig sein: Sterben ist nicht etwa ein “Rand” oder eine Grauzone des Lebens, Sterben ist die letzte Lebensetappe, und deshalb muss es heißen: Sterben ist Leben. Nun hat sich im öffentlichen Sprachgebrauch bis hinein in einschlägige Lexika der Ausdruck “aktive Sterbehilfe” eingebürgert. Damit ist nicht Sterbebegleitung gemeint, sondern die Tötung eines Menschen bzw. die Beihilfe dazu. Auch wenn die Motivation hierzu häufig als Mitleid bezeichnet wird, eigentlich bedeutet es die Aufkündigung des Mitgehens."


Nähere Informationen zu der Professur von Josef Schuster SJ siehe:


Sonntag, 29. April 2007

Katja Baumgarten - Mein Kleines Kind

Frank Louwen - Pränatalmedizin und Geburtshilfe

Johannes Beckermann - Leben am Anfang

Johannes Beckermann - Einführende Worte am 26.4.2007


Meine sehr verehrten Damen und Herren,







als ein „aus der Art geschlagener Sohn eines Hamburger Medizin-Professors“ ist es mir eine besondere Freude, fast hätte ich gesagt Genugtuung, Sie heute in einem Hörsaal des Uni-Klinikums Frankfurt willkommen zu heißen. Gemeinsam mit dem „Haus am Dom“ haben wir diese 3. Vortragsreihe konzipiert. Das Thema der Reihe lautet: LEBENszeichen – LEBENsentscheidung. Ich begrüße Sie als Vorsitzender des „Hilfe für Mutter und Kind e.V.“ zu dem 2. Abend, der unter dem Motto steht: LEBEN – am Anfang. Unsere Aktivitäten sind auf den umfassenden, belastbaren Lebensschutz ausgerichtet – am Anfang und am Ende. Dabei lassen wir uns von dem Grundgedanken leiten, daß das Leben ein unverfügbares Geschenk ist.

Persönlich begrüßen möchte ich Frau Katja Baumgarten aus Hannover, Hebamme und Filmemacherin, die uns ihren eindrucksvollen Film über die Schwangerschaft mit einem schwer behinderten Kind mitgebracht hat. Mit Dank für die Möglichkeit des heutigen Abends in diesen Räumen begrüße ich zudem Herrn Prof. Dr. Frank Louwen, den Hausherrn. Mit seinen Kollegen ist er an dieser Klinik verantwortlich für den Bereich Pränatalmedizin und Geburtshilfe.

Einen ersten Hinweis auf die mit unserem heutigen Thema auch verbundenen Brisanz erhielt ich überraschend aus juristischer Sicht: Aus den Berichten der UN-Menschenrechtsausschusses wurde von einer Schadensersatzklage einer jungen Peruanerin gegen ihren Staat berichtet. Sie war schwanger mit einem schwer behinderten Kind. Die von ihr daraufhin angestrebte Abtreibung wurde verweigert. Das Kind starb kurz nach der Geburt. Ihrer Klage wurde stattgegeben mit folgender erstaunlichen Begründung: Daß die Frau gezwungen worden sei, ihr lebensunfähiges Kind bis zum Ende auszutragen, stelle eine „unmenschliche und erniedrigende Behandlung der Frau dar“. Vielleicht wäre ich doch besser Arzt und nicht Jurist geworden.

Damit ist unser heutiges Thema umrissen. Es ist nicht die „quasi normale“ Spätabtreibung, obwohl die geltende gesetzliche Regelung mit der medizinischen Indikation nach einer „Neuregelung geradezu schreit“. Einige von Ihnen mögen schon von der Initiative Regenbogen, dem „Glücklose Schwangerschaft“ e.V. gehört haben. Das ist ein wertvoller Kontaktkreis für Eltern, die ein Kind durch Fehl-, Früh- bzw. Totgeburt verloren haben. Das geschieht leider gar nicht selten: Man schätzt, daß in Deutschland jährlich mehr als 3.000 Kinder tot zur Welt kommen. Hinzu kommen Kinder, die als lebensunfähig kurz nach der Geburt sterben.

Wie soll man mit einer solchen Situation umgehen – als Arzt, aber insbesondere als Eltern? Welche Hilfe gibt es für sie? Wo und wie können sie trauern? Soll man das Kind bestatten – und wenn ja, wo? Unter welchem Namen? Das sind nur einige Fragen, denen wir heute mit dem gebotenen Ernst und der selbstverständlichen Empathie nachgehen möchten.

Sonntag, 22. April 2007

Menschenwürde am Beginn - "Mein kleines Kind"



26. April 2007 LEBEN – am Anfang
Ort: UNI-Klinik, Haus 14, 2. Stock
Zeit: 19:30 Uhr - 22:00 Uhr


"Menschenwürde am Beginn - aber wann ist der Mensch ein Mensch?"

Prof. Dr. med. F. Louwen
Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin am
Universitätsklinikum Frankfurt
Katja Baumgarten, Regisseurin des Filmes: „Mein kleines Kind"

Ultraschalluntersuchung in der Mitte der Schwangerschaft.Diagnose: "komplexes Fehlbildungssyndrom in der 21. Schwangerschaftswoche, Verdacht auf Chromosomenanomalie. Die Prognose muss als deutlich schlecht bezeichnet werden." "Sie müssen entscheiden!", sagt der Facharzt für Pränataldiagnostik zu mir."Die sofortige Beendigung der Schwangerschaft ist in einer solchen Situation der übliche Weg."
Der autobiographische Dokumentarfilm handelt vom Dasein, von Geburt und Abschied meines Sohnes Martin Tim, von persönlichen Fragen und Entwicklungen nach der Konfrontation mit der bestürzenden Diagnose - vor allem von der plötzlichen Forderung an mich, über die Dauer des Lebens und die Bedingungen des Todes eines meiner vier Kinder entscheiden zu müssen.
Ein Film über Bilder und Vorstellungen.

Ein Dokumentarfilm von Katja Baumgarten in Zusammenarbeit mit Gisela Tuchtenhagen(Kamera mit Ton) Deutschland 2001/200288 MinutenDV/DVcam -> 35mm Filmdt. OF und dt. OF m. engl. Untertitel FSK: freigegeben ab 12 Jahren.

Nähere Infos: www.meinkleineskind.de

Das Bild zeigt einen Auschnitt aus dem Film und wurde uns freundlicherweise von Katja Baumgarten zur Verfügung gestellt.