Montag, 24. Februar 2014

EUTHANASIE – jetzt auch bei Kindern?

Verheerende Signalwirkung. Ein Gespenst geht um in Europa.

Immer häufiger kann man hören, dass Angehörige Schwerstkranker vom Pflegepersonal offen gefragt werden, ob sie ihren Lieben nicht weitere Qualen ersparen möchten. Die Sterbehilfe (Euthanasie) ist offensichtlich als akzeptierte Alternativtherapie in unserer Gesellschaft angekommen. Welche Grenzen gelten noch?

Leider gilt es jetzt einen weiteren Tiefpunkt in dieser Entwicklung zu beklagen: Am 13. Februar 2014 hat das belgische Parlament ein Gesetz verabschiedet, welches Sterbehilfe auch bei Kindern erlaubt, wenn sie todkrank sind und unter starken Schmerzen ohne Aussicht auf Linderung leiden. Anders als in den Niederlanden, in denen bei Kindern eine Altersgrenze von zwölf Jahren gilt, legt das belgische Gesetz keine Untergrenze fest. Die Maßnahme muss von den Eltern und den behandelnden Ärzten gebilligt werden.

Und: Grundvoraussetzung ist, dass die betroffenen Kinder sich ihrer Situation und der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst sind. Wer soll dies anhand welcher Kriterien überprüfen? Mit guten Gründen hat die Gesellschaft für das allgemeine Wahlrecht eine Altersgrenze vorgeschrieben. Auch den Führerschein kann man erst ab einem bestimmten Alter erwerben. Das gilt auch für das Heiraten - und die damit verbundene Lebensentscheidung. Aber über den eigenen endgültigen Tod soll ein Kind ohne festgelegte Altersgrenze und die damit verbundene Reifevermutung entscheiden können. Das passt nicht zusammen. Zudem was muss ein todkrankes Kind empfinden, wenn es erleben muss, dass seine Eltern/Ärzte es "aufgegeben“ haben?

Bietet unsere Gesellschaft den Betroffenen wirklich keine besseren Alternativen? Speziell für Kinder eingerichtete Palliativstationen bzw. Hospize leisten seit Jahren gute Dienste. Sie bieten eine liebevolle, eine allein menschenwürdige Begleitung im Sterben.

Mittwoch, 15. Januar 2014

ENDLICH: LEBENSSCHUTZ


- wie die Politik ein vernachlässigtes Thema wiederentdeckt
- aber: warum über die Abtreibung im Parlament nicht diskutiert wird

Spät-Abtreibung, Beihilfe zur Selbsttötung*, Definition des Hirntodes, Sterbehilfe – diese und andere Aspekte aus dem Themen-Bereich Lebensschutz haben in der abgelaufenen Legislaturperiode des Deutschen Bundestages kaum eine Rolle gespielt. Mit einer Ausnahme: Der Versuch, mit einem neuen § 217 StGB die organisierte Sterbehilfe strafrechtlich zu regeln, ist gescheitert.

Jetzt scheint es, als sei der - vom Grundgesetz aufgegebene - Lebensschutz als Thema von „der Politik“ wiederentdeckt worden. Peter Tauber, der neue Generalsekretär der CDU, möchte die wieder aufgeflammte Debatte um die Strafbarkeit der geschäftsmäßig (organisiert) angebotenen Sterbehilfe zu einer ausgiebigen Diskussion nutzen, „auch um stärker über Alternativen wie Palliativmedizin und Hospizbewegung“ nachzudenken.

Als Basis der gewünschten Diskussion strebt die CDU einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf an. Die SPD hält sich noch bedeckt, allerdings hat ihr Justizminister Maas die Abstimmung über die Sterbehilfe, einer „ethisch außerordentlich komplexen Frage“, „als Gewissensentscheidung“ qualifiziert und daher die Aufhebung des Fraktionszwangs gefordert.

Während es gute Chancen für einen ernsthaften Diskurs zum Thema Sterbehilfe zu geben scheint, wird die Abtreibung – vom Papst als Ausdruck der Wegwerf-Kultur gegeisselt – weiterhin in der parlamentarischen Diskussion ausgeklammert. Die CDU hat sich schon klar positioniert: „Der Staat kann die Entscheidung für das Leben nicht erzwingen. - An den geltenden gesetzlichen Regelungen wollen wir nichts ändern“. Damit wird der Auftrag des Verfassungsgerichts zur Überprüfung der gefundenen Beratungsregelung weiter unterlaufen. Für die handelnden Politiker ist dabei wohl entscheidend, dass sie für eine die Schutzfunktion stärkende Regelung keine parlamentarische (und später verfassungsrechtliche) Unterstützung erwarten.

*P.S. Unsere Videointerviews zu den (medizin-)ethischen Aspekten der Beihilfe zur Selbsttötung finden weiterhin reges Interesse.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wenn Kinder, wann Kinder?


Symposium der Deutschen Familienstiftung mit der hessenstiftung - familie hat zukunft und dem Frankfurter Zukunftsrat am 21. 11. 2013 in Fulda.

"Späte Elternschaft wird immer mehr zu einem allgemeinen Muster. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass deutsche Eltern ihr erstes Kind am spätesten bekommen. Die Ursachen sind vielfältig und komplex: Höhere Bildungsbeteiligung, längere Bildungswege, späterer Berufseintritt, Emanzipation der Frauen, erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erfolgreiche Berufskarriere, veränderte Einstellungen und Leitbilder, wirksame Empfängnisverhütung und ihre nicht beabsichtigten Nebenfolgen, ungewollte Kinderlosigkeit, negative Beurteilung der Schwangerschaft durch Arbeitgeber und Arbeitskollegen, nicht familienfreundliches gesellschaftliches Umfeld, Benachteiligung von Eltern gegenüber kinderlosen Singles usw. Die deutsche Gesellschaft und Politik nimmt diese Entwicklung sprachlos zur Kenntnis und stellt sich auf diese Entwicklung ein. Es werden dabei u.E. gravierende Folgeprobleme dieser Entwicklung verschwiegen und tabuisiert. Die Konsequenzen dieser Entwicklung für Betroffene, für die Gesellschaft, für das Beschäftigungs- und Versicherungssystem werden auch in der wissenschaftlichen und gesellschafts- und familienpolitischen Diskussion unterschiedlich bewertet." (uk)

Video gefördert vom Verein Hilfe für Mutter und Kind e.V.

Donnerstag, 28. November 2013

UNSERE VIDEOINTERVIEWREIHEN - eine Erfolgsgeschichte


 
 
- 149.837 Klicks am 28. 11. 2013

Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit haben wir neben den Texten auf den Internetseiten in den Jahren 2003/07 zunächst auf öffentliche Vortragsreihen gesetzt. Nachdem wir die Vorträge zuletzt schon mit kurzen Videointerviews mit den Referenten begleitet hatten, sind wir - auch aus Gründen der Nachhaltigkeit - ab 2007 ganz auf die Planung und Durchführung eigener Videointerviewreihen umgeschwenkt.  

Mit messbarem Erfolg: Ende November 2013 wird die Zahl der Klicks auf unsere Videos (jetzt 49, auch auf YouTube unter JWBHMK) die Marke von 150.000 überschreiten.

Wegen des deutlich feststellbaren Interesses an dieser Thematik haben wir im August 2007 mit der Reihe „Leben vor dem Lebensende“ begonnen. Ein audiophon „Gespräche mit Sterbenden“ aus dem Hospiz Advena in Erbenheim (12/07) führt die Liste mit jetzt 28.582 Klicks an.

- Einzelthemen wie Beihilfe zur Selbsttötung fanden reges Interesse; über die moraltheologischen Aspekte sprachen wir mit Pater Schuster SJ (07/12 ) mit 840 Klicks und über medizinethische Fragen mit Frau Dr. Bockenheimer (07/13) mit 122 Klicks.

- Unsere Interviews mit den Professoren Bechstein und Schuster SJ (10/12) über Fragen zur Organtransplantation wurden mit 387 Klicks bedacht.

Aus der Reihe „Leben mit Behinderungen“ kommt das erste Interview (03/08) mit C. Söhling, dem Leiter von Aulhausen, auf 5.460 Klicks. Es folgen die Gespräche mit R. Schmidt (11/09), dem bekannten Paralympics Sieger, evangelischen Seelsorger und Kabarettisten mit 2.256 Klicks und mit O. Backhaus, dem „barrieerefreien Rollstuhlstudenten“, Uni Siegen (09/09) mit 2.179 Klicks.

Die Frage, ob Deutschland kinderunfreundlich ist, wird angesichts der demographischen Entwicklung mit den vergleichsweise niedrigen Geburtenzahlen immer wieder gestellt. Bislang haben wir nur zwei Videos machen können; die Zahl der zum Gespräch bereiten Partner ist deutlich eingeschränkt. Wir bleiben dran – im Rahmen der aktuellen Fragen nach der „richtigen“, der zukunftssichernden Familienpolitik. 





Sonntag, 1. September 2013

"Arme Kinder"*



- weitere Überlegungen zu einem sehr komplexen, für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft mitentscheidenden Thema

Die gesicherte Betreuungsmöglichkeit auch kleinster Kinder – je nach Lage/Wunsch frei gewählt in der Familie oder außer Haus – ist ein notwendiger Baustein für die zukunftsfähige Gesellschaft.

Zu Recht hat die katholische Kirche hohe Qualitätsstandards bei der jetzt gesetzlich ermöglichten Krippenbetreuung angemahnt. Qualifiziertes Personal für diese eminent wichtige Aufgabe zu finden, ist anscheinend deutlich schwieriger als die Bereitstellung der notwendigen Räumlichkeiten.

Das ist aber nur ein Einzelaspekt eines sehr komplexen Themenfeldes, dem man nur durch die Betrachtung des gesamten Umfeldes gerecht werden kann. Bei dieser Frage bündeln sich vielfältige gesellschaftlich-politische Entwicklungen aber auch wirtschaftliche Interessen. Einige Aspekte:

- Aus der Gehirn- (insbesondere der Bindungs-)Forschung ist bekannt, dass die ersten drei Lebensjahre entscheidend für die Weiterentwicklung des bei der Geburt noch unfertigen menschlichen Gehirns sind. In dieser Zeit werden die Grundlagen für eine stabile (emotionale) Entwicklung gelegt. - Prägefehler in dieser Zeit sind später kaum korrigierbar.

- Wesentliche Bezugspersonen in dieser Phase sind Mutter und Vater in ihren jeweiligen Rollen. Die immer mehr professionalisierte Fremdbetreuung darf diese natürliche Bindung nicht lockern und auch nicht das primäre Erziehungsrecht der Eltern unterminieren. Bei der – für das Kind auch belastenden – frühen Fremdbetreuung bleibt das stabile private Umfeld wichtig.

- Die Familie bietet einen verlässlichen Rahmen für die kindgerechte Entwicklung. Dass die häusliche Betreuung von Kleinstkindern zu finanziellen Engpässen führen kann, ist auch Folge bewusster Entscheidungen – in der Familien-, Renten und Steuerpolitik.

- Aufgrund der sicher zu erwartenden Schrumpfung bzw. Alterung unserer Gesellschaft sucht die Wirtschaft - neben flexibel einsetzbaren Männern – zunehmend gut ausgebildete junge Frauen. Auch die Frauen/Mütter sind an verlässlichen Karrierechancen interessiert (und nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen). Die praktizierte frühe Fremdbetreuung der Kleinstkinder ist aber nur ein Weg zu diesem Ziel.

- Der Betreuungsmarkt verspricht vielfältige gewinnträchtige Wachstumschancen.

Nur ein grundsätzlich kinderfreundliches Klima bietet die Gewähr für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Diese Grundlage zu schaffen bzw. zu bekräftigen ist Aufgabe der Familienpolitik. Diesem Politikbereich insgesamt noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, bleibt unser Auftrag (jwb).


*vergl. Leserbrief Dr. med. Uta Müller-Lindenlauf, FAZ 16. 08. 13. In ihrem deutlich pessimistisch (realistisch?) gefärbten Text schreibt die Kinderärztin von einem „Rechtsanspruch auf Gefährdung des Kindeswohles“, daher die Briefüberschrift: „Arme Kinder“.

02.09.2013

Dienstag, 6. August 2013

Beihilfe zur Selbsttötung durch den Arzt?




Johannes Beckermann, HMK Leben, im Gespräch mit Dr. med. Gisela Bockenheimer-Lucius, Medizinethikerin, Frankfurt/M., am 8. July 2013

Montag, 5. August 2013

PROGNOSEN, PROGNOSEN ...


 

- Deutschland schrumpft: Die Zukunft von Ehe und Familie

Teure Familienpolitik. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass unser Staat im Jahr insgesamt rd. 200 Mrd. in diesem Bereich ausgibt. Mit welchem Ziel, mit welchem Erfolg? Eine grundsätzliche Umkehr der negativen demographischen Entwicklung bei uns scheint nicht zu gelingen. Die Zahl der Geburten stagniert bzw. sinkt. Regelmäßige Prognosen bestätigen diesen Trend.

Bei ihrer Entscheidung für oder gegen Kinder werden Eltern von einer Kombination verschiedener Faktoren beeinflusst - finanzielle, strukturelle und kulturelle. Neben eigenen Erwartungen und Vorstellungen spielen die unterschätzten gesellschaftlichen Ansprüche eine wachsende Rolle. Die Schwierigkeit, diese unterschiedlichen Facetten in Einklang zu bringen, ist ein Grund für die jetzt innerkirchlich und öffentlich ausgetragene heftige Diskussion um die EKD-„Orientierungshilfe“ zu Ehe und Familie.

In den verschiedenen Prognosen zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft wird der Eindruck vermittelt, der negative demographische Trend sei (zumindest kurzfristig) unabänderlich: Als Gründe werden verstärkt finanzielle und wirtschaftliche Aspekte (Arbeit/Betreuungsmöglichkeit) genannt. Hinzukommen eine wachsende Orientierungslosigkeit und Werteverluste. Es herrscht eine „tiefe Unsicherheit um den Menschen“ (Benedikt XVI.). Zudem scheinen die christlichen Kirchen in ihren Kernaussagen (in der Bioethik, zu Ehe/Familie und Leben) immer mehr auseinander zu driften. Ein einhelliges Zeugnis der verschiedenen Konfessionen würde die erforderliche Glaubwürdigkeit erhöhen.

Bei der vorherrschenden negativen Darstellung der Zukunft kann es nicht verwundern, wenn kräftige eigene Aktivitäten schwer fallen bzw. sogar ganz ausbleiben. Zu dieser lähmenden Sicht auf unsere Zukunft sind wir aber nicht gezwungen; viele - gegensätzliche, parallel verlaufende - Entwicklungen sind im Fluss und noch beeinflussbar. Es ist erfreulich, dass Papst Franziskus ein ansteckendes, glaubwürdiges Beispiel einer grundsätzlich optimistischen Auffassung vermittelt.

Als Christen dürfen wir nicht resignieren. Es ist unser Auftrag, an der Zukunft unserer Gesellschaft bewusst und im Sinne unserer Grundüberzeugungen mitzuwirken. Anknüpfungspunkte sind die realen Lebensbedingungen. Für die Verkündigung des Glaubens in die Gesellschaft hinein haben die französischen Bischöfe vor Jahren das treffende Stichwort gewählt: Proposer la foi. Den Glauben - und die aus ihm gewonnenen Wertevorstellungen - kann man nur anbieten.

Dazu müssen wir uns an dem grundsätzlich offenen gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. In unserer medial durchsetzten Gesellschaft ist eine glaubhafte mediale Präsenz unabdingbar. Das ist seit Beginn ein Schwerpunkt der Aktivitäten des HMK.

Prognosen sind nicht in Stein gemeißelt. Wir könnten sie in unserem Sinn beeinflussen.

August 2013